GSM-Service-Provider und MVNOs

Wenn man GSM nutzen möchte (egal ob nur Daten + Fax oder auch Sprache), kann entweder direkt bei einem der GSM-Netzbetreiber Kunde werden oder bei einem der sog. Service-Provider. Das sind Unternehmen, die von den Netzbetreibern große Mengen Airtime oder Leitungskapazitäten aufkaufen (zu entsprechend günstigen Konditionen) und dann an einzelne Kunden weiterverkaufen. Da sie natürlich dieselbe Technik benutzen, wie die Netzbetreiber auch, müssen sich die Service-Provider andere Argumente einfallen lassen, warum ein Kunde sie und nicht direkt den Netzbetreiber wählen sollte.

Das können spezielle (günstigere) Tarife oder zusätzliche Dienstleistungen sein, vielleicht bietet er auch weitere Kommunikationsdienste an, und man bekommt nur eine Abrechnung für die verschiedenen in Anspruch genommenen Leistungen. Oder man wählt ihn, weil er zu dem selben Konzern gehört. Oder sehr einfache und günstige Tarife. Und oft genug kopieren dann die Netzbetreiber erfolgreiche Vertriebs-Modelle...

Je nach Größe haben die Service-Provider auch Ambitionen zu mehr. So hatte MobilCom mit Unterstützung von France Telecom in Deutschland eine UMTS-Lizenz erhalten. Auch Debitel hatte um eine Lizenz mitgeboten, und Talkline hatte sich zur Teilnahme an der Versteigerung angemeldet.
 
Alpha-Tel Kommunikationstechnik GmbH (Drillisch)
debitel Kommunikationstechnik GmbH&Co.KG (nach der Übernahme durch Freenet in 2008 Teil von mobilcom-debitel [Marke seit April 2009])
Dekraphone (früher Dekratel) ist in Unicom aufgegangen
Drillisch Mobilfunkservice
   (übernahmen im Juli 2003 Victor Vox)
E-Plus-Service GmbH (nur E-Plus)
Phonehouse (früher Hutchison Mobilfunk GmbH)
Liftacom
mobilcom AG (hatte eine UMTS-Lizenz)
übernahm u.a. Cellway / Martin Dawes Telecommunications und D-Plus (TMG)
KomTel (Festnetz-SMS)
RSL COM (haben 1998 Motorola Telco übernommen)
Talkline PS PhoneService GmbH
Tangens
Telco Services (RSL Com)
Telepassport

Fast alle haben sich im VATM, dem Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten zusammengeschlossen. Der unternimmt z.B. regelmäßig Meßfahrten, um die Funkversorgung der verschiedenen Mobilfunk-Netze zu testen.

Eine weitere Möglichkeit für Service-Provider ist, als Mobile Virtual Network Operator (MVNO) aufzutreten. Der MVNO hat keine eigene Netzwerk-Infrastruktur, sondern benutzt die eines existierenden Operators. Bekanntestes Beispiel: Virgin mobile in GB.

Noch etwas anders aufgestellt sind die in 2005 auch in D aufgetauchten "Mobilfunk-Discounter". Der Vertrieb erfolgt typischerweise nur über das Internet. simyo zum Beispiel vermarktet nur SIM-Karten von E-Plus (nicht überraschend, denn simyo ist ein E-Plus-Unternehmen), aber keine Handys, kein GPRS; SMS und auch MMS sind möglich. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann die Discounter doch zumindest Billig-Handys anbieten. Wahrscheinlich ohne Subventionierung, denn das gibt das Tarifmodell kaum her. Mehr zu diesem Thema auf der MVNO-Seite, auch wenn es sich hier nicht wirklich um MVNOs handelt.